Vereinsgeschichte des Schützenvereins "Hubertus" Herrensohr

 

Der Schützenverein "Hubertus" Herrensohr wurde offiziell 1909 gegründet. Wahrscheinlich am 21.8.1909, da ein Jahr später an diesem Tag das einjährige Stiftungsfest gefeiert wurde.

Die Vereinsfahne nennt aber bereits das Jahr 1908 als Gründungsjahr. Dies bedeutet, daß bereits in diesem Jahr die ersten Zusammenkünfte zur Vereinsgründung stattfanden.

Der Verein begann mit 17 Mitgliedern angeblich unter dem Vorsitz von Herbert Stuhlsatz. Die erste schriftliche Nachricht über den Schützenverein "Hubertus" Herrensohr ist eine Bittschrift aus dem Jahre 1910 an das "Bürgermeistereiamt" Dudweiler um Erlass der "Lustbarkeitssteuer " anlässlich des ersten Stiftungsfestes. Das ablehnende Antwortschreiben ist gerichtet an den 1. Vorsitzenden Christian Speicher.

Der Verein wurde in einer Zeit gegründet, in der die Vereine wie Pilze aus dem Boden schossen. So gab es in der Zeit von 1873 bis 1914, Herrensohr hatte ca. 4000 Einwohner, nicht weniger als 35 Vereine.

Es waren Gesangs-, Sport- und Unterhaltungsvereine, sowie einige konfessionelle Vereinigungen. Der älteste Verein war der, 1873 gegründete, evang. Knappenverein. Im Jahre 1884 gab es des Weiteren einen Fechtclub mit 86 Mitgliedern im Gasthaus Kirchberg in der Eisenbahnstraße. Ebenso existierten 1894 ein Karnevalsverein, 5 Raucher- und Pfeifenclubs, sowie drei Schützenvereine unter folgenden Namen:

  1. Schützenclub "Tell", gegründet am 1.8.1905
    Er hatte 1913 18 Mitglieder unter Vorsitz von Nikolaus Wirt
  2. Schützenverein "Hubertus", gegründet 1909, mit 22 Mitgliedern im Jahre 1913
    (siehe Akte 387 im Gemeindearchiv Dudweiler) Vorsitzender war Christian Speicher
  3. Schützenverein "Roland" gegründet 19.7.1911, dieser hatte angeblich 1912 ca. 25 Mitglieder
    1. Vorsitzender war Johann Nonnweiler, später im Vorstand von "Hubertus".
    Geschossen wurde in dessen Garten.
    Der Verein konnte jedoch die Sicherheitsbestimmungen nicht erfüllen…Am 12.6.1912 heißt es:
    " Der Schützenverein geht wahrscheinlich ein."
    und am 22.10.1912 " Es werden keine Schießübungen mehr abgehalten."

Alle Vereine gehörten dem Schützenverband Sulzbachtal an. Nach einem Verzeichnis vom 7.2.1912 gehörten zu diesem Verband folgende Vereine:

 

Verein

Mitglieder

"Colonia" Friedrichsthal

38

Neuweiler

26

"Gut Ziel" Altenwald

20

"Gut Ziel" Sulzbach

45

"Hubertus" Herrensohr

30

"Tell" Herrensohr

40

"Roland" Herrensohr

25


Die Mitgliederzahlen sind teilweise stark übertrieben, wahrscheinlich weil sich der Verband um die Anerkennung als "Schützengilde" bemühte. Die größten Anfangsschwierigkeiten für die Schützenvereine bereiteten sicher die Beschaffung von Sportgewehren, die für damalige Verhältnisse fast unerschwinglich teuer waren und die geeigneten Schießstände zu finden.
So wurde lange Zeit in den Nebenzimmern und Hinterhöfen der Gasthäusern geschossen, wie beispielsweise im Gasthaus Gräser in der Marktstr., heute Gasthaus Arendt, gegenüber der Einmündung zur Johannesstr. Auch im Garten gegenüber dem Gasthaus "Zum Schlößchen", parallel zur Eisenbahn, soll geschossen worden sein.

Während des 1. Weltkriegs kam jegliches Vereinsleben zum Erliegen und 1918 waren in Herrensohr keine Schützenvereine mehr vorhanden.
Erst 11 Jahre später, am 1.4.1929, wurde der Verein "Hubertus" Herrensohr neu gegründet. Er hatte 41 Mitglieder unter Vorsitz von Andreas Day. Die Vereinssatzung wurde, außer vom Vorsitzenden, noch von den Vorstandsmitgliedern Johann Nonnweiler und Wilhelm Marian unterschrieben.

Mit Sicherheit waren es ehemalige Mitgliedern des alten Vereins, die die Neugründung vornahmen, was sich aus folgenden Überlegungen ergibt:

  1. Die Neugründer übernahmen den Namen ihres alten Vereins, nicht etwa die Namen "Tell" oder "Roland"
  2. Neutrale Neugründer hätten niemals den Namen eines untergegangenen Vereins übernommen, sondern ihm einen neuen gegeben
  3. Die Vereinsfahne von 1931, also 2 Jahre nach der Neugründung, nennt das Jahr 1908 als Gründungsjahr, bezieht sich somit auf den alten Verein "Hubertus" Herrensohr

Aus diesen Gründen ist die Neugründung 1929 unter Vorsitz von Andreas Day als Fortsetzung der Tradition von 1908 anzusehen, obwohl der Verein mehr als 10 Jahre nicht existierte.
In diesem Jahr, 1929, wurde auch Peter Haupenthal als 1. KK-Schützenkönig ermittelt. Austragungsort war der Garten hinter dem Vereinslokal Wilhelm Gräser in der Marktstr. Dort war der Schießstand am 4.8.1929 polizeilich abgenommen worden.

In der Völkerbundszeit von 1918 - 1935 war das Saarland vom übrigen Reichsgebiet getrennt und ein Kontakt zu dortigen Vereinen ohne Genehmigung verboten.
Im damaligen Saargebiet existierten jedoch geheime Vertrauenspersonen, die über die " patriotische Zuverlässigkeit der Vereine" nach Berlin berichteten. Diese Einschätzung bildete die Grundlage für Geldzuwendungen und Unterstützungen der Vereine. Der reichsdeutsche Bund "Saar-Verein" organisierte inoffiziell Fahrten von Vereinen aus dem "Saargebiet" zu Vereinen im "Reich".
Aufgrund der guten Beziehungen des Mitglieds Schneidermeister Adolf Hirschmann zu Behörden im Deutschen Reich, wurde der Schützenverein "Hubertus" Herrensohr anscheinend als "patriotisch " beurteilt und nahm die Gelegenheit wahr und fuhr nach Trier, Koblenz, Neustadt und Leipzig.
In dieser Zeit, 1931, erhielt der Verein seine heutige Vereinsfahne. Auf der Fahnenstange steht "Fahnenfabrik Bonn". Die Fahnenweihe fand am 19.7.1931 statt, im Beisein befreundeter Vereine. Diese übereichten 3 Fahnenwimpel mit den Aufschriften:

  1. Zur Fahnenweihe19. Juli 1931 gewidmet von den Damen "Gut Schuss" dem k.k. Schützenverein "Hubertus" Herrensohr
  2. Zur Fahnenweihe am 19.7.1931 gewidmet von den Ehrendamen Herrensohr
  3. Gewidmet vom Patenverein Schützenverein "Kernschuss" Saarbrücken 5 e.V. 19.7.1931

Erst 1934 wurde mit Hilfe des Freiwilligen Arbeitsdienstes ein moderner Schießstand an heutiger Stelle gebaut. Man plante ursprünglich einen 100m-Stand, der auch zur militärischen Ausbildung genutzt werden sollte. Das Gelände erwiess sich jedoch als zu schwierig. Die Grabungsspuren sind noch hinter der Wasserzisterne zu erkennen. Der Schützenbruder Schneidermeister A. Hirschmann zahlte aus eigener Tasche den beteiligten Arbeitslosen ein kleine Entschädigung.

Der Schießstand wurde 1944 durch Fliegerbomben vollkommen zerstört, es blieb nur noch die Bodenplatte mit den Fundamenten. Der 1. Vorsitzend Andreas Day starb 1946.
Die meisten Mitglieder traten beim Schützenverein "Hubertus" Jägersfreude ein, bis im Juni 1952 sieben ehemalige Herrensohrer beschlossen den alten Verein wieder ins Leben zu rufen. Diese 7 Neugründer waren:

Johann Lang, Peter Haupenthal, Karl Schweißthal, Paul Burghardt, Heinz Lanz, Karl Kleber und Edgar Steffgen.
Der politisch nicht vorbelastete Johann Lang erklärte sich bereit den Vorsitz zu übernehmen.

1953 ging es an den Wiederaufbau des Schießstandes, wobei der Schützbruder Peter Haupenthal hervorgehoben wird. Beteiligt am Aufbau waren die Mitglieder Karl-Heinz Rothenberger, Michael Schnur, Karl-Heinz Gail, Karl Molter, Paul Pirrot jun., Jakob Kreiter, Karl-Heinz Gräber und Karl Schweißthal. In diesem Zusammenhang sollen auch die Verdienste von Georg Marian erwähnt werden, der nachdem er aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt war, unermüdlich bis zu seinem Tod im Jahre 1984 an allen anfallenden Baumaßnahmen beteiligt war.

Ab 1955 übernahm Michael Schmidt den 1. Vorsitz des Vereins. Er führte sein Amt mit großem Engagement bis 1975.
Ein Jahr später wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Ihm folgte sein langjähriger 2. Vorsitzender Lothar Biehl. Unter dessen Leitung wurde das gesamte Schützenhaus 1983 innen renoviert und erhielt, bis 1999, im Wesentlichen sein Aussehen.

Im Jahre 1977 wurde, auf Vorschlag des Schützenbruders Ingolf Pfeiffer, eine Salutmannschaft ins Leben gerufen, die bei festlichen Anlässen in der Regel 5 Salutschüsse abfeuert. Anfänglich wurden Trachtenanzüge getragen, später legte man sich eine Uniform zu, mit grüner Jacke und schwarzer Hose. Helmut Risch übernahm 1990 das Amt des 1. Vorsitzenden und erbaute hinter der Luftgewehranlage einen neuen Pistolenstand, der den damals neuesten Anforderungen entsprach. Leider wurde sein Schaffen mit seinem frühren Tod (48 Jahre) 1993 beendet.
Seine Nachfolge trat Günter Sarnes an, unter dessen Leitung das Schützenhaus mit einer neue Toilettenanlage, sowie einer Gasheizung versehen wurde. Ferner wurde das Schützenhaus an die örtliche Wasserversorgung angeschlossen.

In der Generalversammlung am 9.3.1996 wurde ein Umbau des KK-Standes und des Aufenthaltsraumes beschlossen und am 18.10.1996 ein erster Umbauplan von Robert Schwartz zur Diskussion vorgelegt.
1997 wurde Hans-Rudolf Meyer aus Quierschied von der Mitgliederversammlung zum 1. Vorsitzenden gewählt, nachdem Günter Sarnes auf persönlichen Wunsch nicht mehr kandidierte.

Die geplanten Umbaumaßnahmen wurden mit Geräusch-Emisionsmessungen durch den TÜV und, mit der Erstellung der Baupläne, durch den Architekten Günther Mast in Angriff genommen. Das Bauvorhaben beinhaltet:

  1. Integration des derzeitigen KK-Standes in den Aufenthaltsraum
  2. Neugestaltung des Aufenthaltsraumes
  3. Neubau des KK-Standes mit 5 Schießbahnen
  4. Zurückversetzen des Kugelfanghauses
  5. Genehmigung für Großkaliberschießen

Am 21.1.1999 war das Genehmigungsverfahren abgeschlossen und am 20.2.1999 wurde mit den ersten Rodungsarbeiten an der Seitenböschung begonnen. Nach größeren Schwierigkeiten durch wiederholten Wassereinbruch und schlecht ausgeführte Drainage waren die Arbeiten im Mai 2003 abgeschlossen.

 

Inhaltlich verantwortlich:


Robert Schwartz

Redaktionell verantwortlich:

Christian Woldsen